Otto von Guericke
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Otto von Guericke

Der große Sohn der Stadt ist als Diplomat und Universalgenie in die Geschichte eingegangen. Otto von Guericke stellte sein Leben in die Dienste seiner Vaterstadt Magdeburg und der Naturwissenschaften.

Otto von Guericke entstammte einer alteingesessenen wohlhabenden Magdeburger Patrizierfamilie.

1621 - 1623 studierte Otto von Guericke Jura an der Universität in Jena und wechselte dann nach Leiden in den Niederlanden, wo er Mathematik, Physik und Festungsbau lernte.

Ende 1625 kehrte von Guericke nach Magdeburg zurück, und wurde kurze Zeit später Mitglied im Stadtrat, 1630 Bauherr in seiner Vaterstadt.

So erlebte er 1631 die Zerstörung Magdeburgs im 30jährigen Krieg. Nach der Erstürmung durch kaiserliche Truppen unter Führung Tillys versank die altehrwürdige mittelalterliche Stadt in Schutt und Asche. Die Verwüstung der Stadt und Ermordung ihrer Bevölkerung waren so extrem, dass sie in ganz Europa für Schrecken sorgten und den Begriff „Magdeburgisieren“ für die völlige Auslöschung einer Stadt in den allgemeinen Sprachgebrauch brachten. Otto von Guericke selbst kam in Gefangenschaft konnte sich und seine Familie jedoch freikaufen. Die Tragödie traf ihn aber auch persönlich. Sein zweijähriger Sohn Jacob Christopher starb in den Kriegswirren.

Politiker...

1632 ging Magdeburg wieder an die protestantische Seite des Dreißigjährigen Krieges über. Als Ingenieur im Offiziersrang setzte sich Otto von Guericke im nächsten Jahrzehnt für den Wiederaufbau seiner nun schwedischen, ab 1636 kursächsischen Heimatstadt ein.

1646 wurde er zum ersten Mal zum Magdeburger Bürgermeister. Er bekleidete dieses Amt für die nächsten 30 Jahre. In dieser Funktion war er oftmals auch diplomatisch aktiv. Verbürgt ist seine Teilnahme als außenpolitischer Repräsentant an Friedensverhandlungen in Osnabrück, Nürnberg, Wien, Prag und am Regensburger Reichstag.

Seine Bemühungen, der Stadt Magdeburg die Privilegien der Reichsfreiheit zu erwerben, scheiterten jedoch. Im Westfälischen Friedensvertrag fiel Magdeburg 1648 unter die Gerichtsbarkeit des Landes Brandenburg. 1666 wurde die Stadt zur Festung mit brandenburg-preußischer Verteidigungsbesatzung.

Obwohl ihm seine Ziele für Magdeburg verwahrt blieben, verschaffte ihm sein Wirken großen Respekt bei der damaligen Obrigkeit. 1666 ernannte Friedrich Wilhelm I. Guericke zum Brandenburger Stadtrat. Im gleichen Jahr erhob ihn der römischen Kaiser Leopold I. in den Adelsstand.  

...und Wissenschaftler

2010 Halbkugelversuch von Dirk Mahler für die LHMD © Dirk Mahler
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© Dirk Mahler

Peitschen durchschneiden knallend die Luft, Pferde verdrehen vor Anstrengung ihre Augen, tausende Menschen verfolgen das Schauspiel mit offenen Mündern: Wir schreiben das Jahr 1657 und Otto von Guericke zeigt zum ersten Mal, dass 16 Pferde es nicht schaffen, zwei lose zusammengefügte Schalen einer Kupferkugel auseinanderzuziehen.

Otto von Guericke stellte auch sein naturwissenschaftliches Genie in den Dienst seiner Heimatstadt und zeigte sich als Meister dessen, was man heute PR nennt. Mit aufsehenerregenden Experimenten demonstriert er seinen Zeitgenossen die Möglichkeiten der Wissenschaft und schafft damit auch internationales Prestige für Magdeburg.

Ab den 1650ern betätigt sich der Große Sohn der Stadt vermehrt als Wissenschaftler. Er weist nach, dass der atmosphärische Luftdruck stärker ist als das Vakuum und widerlegt die lang gehegte These vom „horror vacui“. Grenzen verschiebt der Erfinder der Kolbenluftpumpe auf vielen wissenschaftlichen Gebieten: Astronomie, Elektrizitätslehre und Geografie, zudem ist er Kosmologe. Seine „Experimenta nova, ut vocantur, magdeburgica de vacuo spatio“ („Magdeburger Versuche über den leeren Raum“) sind für ihn der wissenschaftliche Beweis, dass der Raum zwischen den Sternen unermesslich und leer ist. Wie wird das Wetter morgen? Guericke weiß es – er hat ein Barometer entwickelt, das er am Magdeburger Rathaus installiert, das so genannte Magdeburger Wettermännchen. So gehört der Mann, der bei Fürsten und Kaisern gut Wetter für Magdeburg macht, auch zu den Wegbereitern der Meteorologie

Letzte Tage in Hamburg

1676 gab Guericke seinen Posten als Bürgermeister auf. Im Januar 1681 verließ er Magdeburg aus Angst vor der Pest. Er zog gemeinsam mit seiner Frau in das Haus seines Sohnes Hans Otto in Hamburg. Am 11. Mai 1686 starb er.

Gedenken an Otto von Guericke

Seit 1907 erinnert ein Denkmal von Carl Echtermeier am Rathaus an den berühmten Bürgermeister und Naturwissenschaftler. Die Universität von Magdeburg trägt seinen Namen und ihm zu Ehren ist seine Büste in der Walhalla aufgestellt. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens sind eng mit von Guericke verbunden. So pflegt die Otto-von-Guericke-Gesellschaft sein Erbe; im Otto-von-Guericke-Museum in der Lukasklause sind seine Experimente originalgetreu nachzuvollziehen.

Otto-von-Guericke-Zentrum in der Lukasklause

Die Lukasklause mit dem mittelalterlichen Festungsbau des Welschen Turmes liegt am Rand des am besten erhaltenen Abschnitts der Magdeburger Stadtmauer. Sie beherbergt seit 1995 das Otto-von-Guericke-Zentrum.
Lukasklause ©LichtMomenteGunnarGunnarsson
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© LichtMomenteGunnarGunnarsson
Lukasklause mit Otto-von-Guericke-Museum © MMKT
Lukasklause mit Otto-von-Guericke-Museum ©MMKT
Lukasklause mit Otto-von-Guericke-Museum © MMKT

Geschichtlicher Hintergrund

Die erste urkundliche Erwähnung des Welschen Turmes, eines Teiles der heutigen Lukasklause, erfolgte 1279 in der Schöppenchronik. Der Turm war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. In der Nähe des Turms drangen 1631 die kaiserlichen Truppen unter Tilly in die Stadt ein, verwüsteten sie völlig und das Werk teilweise. Als Ingenieur in schwedischen Diensten leitete Otto von Guericke ab 1632 den Wiederaufbau der Festungsanlagen und Elbbrücken sowie des Turmes, nun mehr Bastion.

Auch heute noch ist der Turm beeindruckend in seinen Ausmaßen: Die Gesamthöhe beträgt 21,70 Meter und der Durchmesser 11,42 Meter. Im Erdgeschoss ist das Mauerwerk 1,42 Meter stark.

Namensgebung Lukasklause

1900 erwarb der Künstlerverein St. Lukas e.V. zu Magdeburg den Turm, baute ihn aus und versah ihn mit einem Anbau. Das Gebäude wurde nach dem Schutzpatron der Kunstmaler St. Lukas benannt und heißt seit 1904 Lukasklause.

Das Otto-von-Guericke-Museum

Seit 29. Juni 1995 befindet sich in der Lukasklause das Otto-von-Guericke-Museum und informiert mit einer ständigen Ausstellung über Leben und Werk von Otto von Guerickes (1602 – 1686), dem berühmten Naturforscher und Bürgermeister. Unter der Leitung der Otto-von-Guericke-Gesellschaft e. V.. wird Guerickes Lebensweg anhand von historischen Gerätenachbauten, Bildern und Dokumenten sowie durch die Vorführung von Experimenten veranschaulicht.

Gute Lage und Erreichbarkeit

Die Lukasklause liegt direkt am Elberadweg. Anlässlich des 3. Elberadeltages in Magdeburg wurde am 8. Mai 2005 an der Lukasklause ein Info- und Rastpunkt für Radler eröffnet. - Radstopp beim Erfinder der Luftpumpe Otto von Guericke. - Dort kann man seitdem sein Fahrrad auch in Fahrradboxen eingeschlossen abstellen.

Außerdem ist an der Lukasklause am nahen Elbufer eine Anlegestelle für Sportboote geschaffen worden, so dass sich auch Wassersportfreunde bequem einen Aufenthalt in der Lukasklause gönnen können.
Aber auch als Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Tagungsort wird die Klause gern mit seiner zentralen Stadtlage genutzt.

Ständige Ausstellung

Das Leben und Werk Otto von Guerickes

Seit 1995 beheimatet die Lukasklause das Otto-von-Guericke-Museum mit einer ständigen Ausstellung "Leben und Werk Otto von Guerickes".
Guericke-Zentrum_Lukasklause © MMKT GmbH
Standesamt - heiraten in der Lukasklause
Standesamt - heiraten in der Lukasklause
Standesamt - heiraten in der Lukasklause
Standesamt - heiraten in der Lukasklause

Der Magdeburger Bürgermeister und Ingenieur Otto von Guericke wurde durch die Erfindung der Vakuumluftpumpe und durch seinen spektakulären "Magdeburger Halbkugelversuch" weltweit bekannt. Im Museum kann der Besucher seine Experimente, wie Galgenversuch und Windbüchse nachvollziehen. Darüber hinaus werden auf zwei Etagen originalgetreue Nachbauten von Pumpen und Experimentiergeräten präsentiert. Die Ausstellung veranschaulicht die großen Verdienste Otto von Guerickes für die klassischen Naturwissenschaften.

Besondere Höhepunkte im Otto-von-Guericke-Museum in der Lukasklause sind Sonderausstellungen und Vortragsreihen. Im Mittelpunkt stehen dabei Leben und Werk Otto von Guerickes sowie die Geschichte Magdeburgs im 17. Jahrhundert.

Um die Attraktivität des Otto-von-Guericke-Museums zu erhöhen, wurde die ständige Ausstellung zu Guerickes Leben und Werk um ein Guericke-Arbeitszimmer erweitert. Die Einrichtung erfolgte im Untergeschoss des achteckigen Turmes der Lukasklause.

Historische Abbildungen von Arbeits- und Studierstuben der frühen Neuzeit dienten als Grundlage für die Einrichtung dieses Raumes. Alle Exponate, sowohl Möbel als auch Ausstattungsgegenstände, sind Originale und Nachbauten nach Vorlagen aus dem

17. Jahrhundert. Dem Besucher soll der Eindruck vermittelt werden, wie Otto von Guericke zu seiner Zeit in Magdeburg gelebt, gearbeitet und experimentiert haben könnte.

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Spuren Otto von Guerickes in Magdeburg

Spuren Otto von Guerickes in Magdeburg

Otto-von-Guericke-Statue ©LH MagdeburgOtto von Guericke hat Magdeburg mit seinen wissenschaftlichen Experimenten internationalen Ruhm erworben und die Stadt als Bürgermeister nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut. Entlang der Guericke-Meile kann man dem Universalgenie durch Magdeburg folgen. Mehr zu Otto von Guericke.

Das Otto-von-Guericke-Denkmal
Otto von Guericke (1602 bis 1686) gilt als einer der berühmtesten Söhne Magdeburgs. Er war Magdeburger Bürgermeister von 1646 bis 1676, Diplomat und Naturforscher. Er ist einer der beiden Ottos, wdenen Magdeburg den Titel Ottostadt verdankt. Ihm zu Ehren ließ der Rat der Stadt Magdeburg 1907 auf dem Platz »Bei der Hauptwache« ein Denkmal errichten.
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Gruft der Guerickes und Alemanns
Nachdem Otto von Guericke 1686 in Hamburg gestorben war, wurde er unter großer Anteilnahme der Bürger am 2. Juli 1686 in der Familiengruft der Alemanns und Guerickes in der Johanniskirche beigesetzt. Heute findet man hier eine Stätte des stillen Gedenkens an den großen Sohn Magdeburgs.
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Otto-von-Guericke-Zentrum in der Lukasklause
Die Lukasklause mit dem mittelalterlichen Festungsbau des Welschen Turmes liegt am Rand des am besten erhaltenen Abschnitts der Magdeburger Stadtmauer. Sie beherbergt seit 1995 das Otto-von-Guericke-Zentrum.
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Jahrtausendturm
Im Jahrtausendturm können Besucher 6.000 Jahre Wissenschaftsgeschichte anschaulich und zugänglich kennenlernen, darunter auch die Experimente Otto von Guerickes.
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Altes Rathaus von Magdeburg
Das alte Rathaus ist eines der bedeutendsten Gebäude in Magdeburg mit dem Sitz des Oberbürgermeisters und Tagungsort des Rates.
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Gestaltete Magdeburger Halbkugeln im Stadtgebiet
Was in Berlin die Bären und in Salzburg die Kühe sind, sind in Magdeburg die Halbkugeln. Zu Otto von Guerickes 400. Geburtstag aufgestellt, findet man in der ganzen Stadt individuell gestaltete Halbkugel-Skulpturen.
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Großplastik »die Magdeburger Halbkugeln« von Thomas Virnich
Zum 400. Geburtstag Otto von Guerickes erstellte Thomas Virnich 2002 eine Großplastik des Magdeburger Halbkugelversuches. Diese steht heute quer am Breiten Weg auf dem Ratswaageplatz.
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Otto von Guerickes Wohnhaus
Nach der Zerstörung von 1631 ließ Otto von Guericke sein Wohnhaus in der Großen Müntzstraße wiedererrichten. Hier führte er die meisten seiner berühmten Experimente zuerst durch. Leider wurde das Gebäude 1866 abgerissen. Heute erinnert eine Plakette an den Wohnsitz des großen Magdeburgers.
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Interessante Fakten zu Otto von Guericke

Otto von Guericke ist auch Wegbereiter der Meteorologie. So gelang es ihm 1660 durch systematische Beobachtung von Luftdruckveränderungen Unwetter vorherzusagen. Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Reibungselektrizität; er entwickelte die erste Elektrisiermaschine. Er gilt als Vater der Elektrostatik.

Otto von Guericke wurde als Otto Gericke geboren. Das „von“ seines Adelstitel wurde ihm 1666 zuerkannt. Im gleichen Jahr änderte er seinen Nachnamen mit der Zustimmung des Kaisers von Gericke zu Guericke, um diesen der aristokratischer wirkenden französischen Schreibweise anzupassen.

Otto von Guericke glaubte an Einhörner. So berichtete er 1672 in seinen „Neuen Magdeburger Versuchen“ von der Ausgrabung eines Einhornskelettes in Quedlinburg. Ein Rekonstruktion des von ihm beschriebenen Fabelwesens, tatsächlich waren hier Überreste von einem Mammut und einem Wohlnashorn kombiniert worden, findet man heute im Kulturhistorischen Museum.

Weil auch er all sein Hab und Gut bei der Zerstörung Magdeburgs verloren hatte, betätigte sich Otto von Guericke nach 1631 auch als Bierbrauer, um Geld zu verdienen.