Kunst auf fünf Etagen
Seine einzigartige Charakteristik gewinnt das inmitten der Landeshauptstadt Magdeburg gelegene Museum aus der Verbindung zeitgenössischer Kunst mit mittelalterlicher Architektur. Die Räume des Museums befinden sich in einer romanischen Klosteranlage, die Anfang des 11. Jahrhunderts errichtet wurde und zur „Straße der Romanik“ gehört.
Im Zentrum des Museums steht die Kunst der Gegenwart: Auf fünf Etagen werden bedeutende Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler seit den 1960er Jahren bis heute präsentiert. Der Fokus liegt dabei auf aktuellen Fragestellungen, Entwicklungen und gesellschaftlichen Diskursen. Eine feine Sammlung historischer Skulpturen aus Antike, Mittelalter und Moderne ist in den unteren Tonnengewölben ausgestellt.
Regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen zur Gegenwartskunst greifen ausgewählte Themen auf oder geben Einblicke in das Werk richtungsweisender zeitgenössischer Kunstschaffender. Die ehemalige Klosterkirche wird sowohl als Aufführungsort für experimentelle, zeitgenössische Musik und Performance als auch als Ausstellungsort für Kunstinstallationen genutzt.
Der Skulpturenpark rund um das Kunstmuseum geht auf die späten 1980er Jahre zurück. Ausgewählte Kunstwerke der Sammlung können so, unabhängig von Öffnungszeiten, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Entstehungszeit der ca. 50 Skulpturen spannt sich von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. Neben dem historischen Bestand, der insbesondere durch repräsentative Bronzeplastiken aus der DDR-Zeit vor 1989 geprägt ist, liegt der Schwerpunkt heute auf internationaler Gegenwartskunst.
Architektur des ehemaligen Klosters
Die Stiftskirche Unser Lieben Frauen stammt aus dem 11. Jahrhundert und gehört zu den am besten erhaltenen romanischen Kirchenbauten in Deutschland. Die dreischiffige Säulenbasilika zu neun Jochen mit dreischiffiger Krypta, Apsis und Querhaus wurde in der Amtszeit des Magdeburger Erzbischofs Werner (1068-78) als damals hochmoderne Anlage unter Einfluss norditalienischer Architektur errichtet.
Das heutige Erscheinungsbild der Kirche prägt das um 1230 in den bestehenden romanischen Bau eingefügte Kreuzrippengewölbe, eines der ältesten seiner Art in Deutschland. Der Chor, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und anschließend mit einer hölzernen Flachdecke verschlossen, wurde 2022 wieder eingewölbt.
Zentrum des vor 1020 gegründeten Liebfrauenklosters ist der zweigeschossige gemauerte Kreuzgang, der zwischen 1129 und vor 1200 errichtet wurde. Aus dem zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts stammen die sogenannte Hochsäulige Kapelle (ehemals Sakristei) sowie der Nordflügel mit dem tonnengewölbten Refektorium und einem ebensolchen Keller – ein zweiter darunter ist spätmittelalterlich. Hier werden heute die Sammlung Gegenwartskunst sowie historische Skulpturen gezeigt.
Das Gebäude des Kunstmuseums Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen gehört zu den „Perlen“ der sachsen-anhaltischen Route „Straße der Romanik“. Noch immer beeindruckt die fast 1000 Jahre alte architektonische Schönheit im Zentrum der Stadt Magdeburg.
Geschichtlicher Hintergrund
Mit der Errichtung des bis heute im Kern erhaltenen Gebäudekomplexes wurde in der Epoche der Romanik um 1063/64 begonnen. Dabei handelt es sich um den Nachfolgebau des 1017/18 durch Erzbischof Gero gegründeten Stifts. Die Fertigstellung erfolgte ab dem Jahr 1129, nachdem der Magdeburger Erzbischof Norbert von Xanten das Kloster Unser Lieben Frauen dem von ihm gegründeten Orden der Prämonstratenser übertragen hatte. Nach 1220 erhielt die Kirche ein frühgotisches Gewölbe, ohne jedoch dadurch die charakteristischen Merkmale der Romanik einzubüßen. Das gotische Gewölbe, zerstört im Zweiten Weltkrieg und durch eine flache Holzdecke ersetzt, wurde 2022 wiedererrichtet.
1632 verließen die letzten Prämonstratenser das Kloster. 1638 wurden durch das Domkapitel protestantische Geistliche im Kloster untergebracht, die sich durch theologische Studien auf ihren Dienst als Pfarrer vorbereiteten. 1698 gibt es die erste Nachricht von der Gründung einer Schule im Kloster, dem späteren Pädagogium, zu dessen bekanntesten Schülern Georg Kaiser zählt. An die Existenz dieser Schule (1698-1928) erinnert insbesondere die um 1850 im neoromanischen Stil errichteten ehemaligen Internate am Ostflügel. 1834 erfolgte die Säkularisierung des Stifts. 1928 vereinigte man das Pädagogium mit dem Domgymnasium.
In den sechziger Jahren entstand der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Westflügel neu.
Im Juni 1975 wurde der Beschluss gefasst, das Klostergebäude für die „Aufnahme der Kunstsammlungen der Stadt“ auszubauen, und noch im selben Jahr fanden die ersten Kunstausstellungen an diesem Ort statt. Schon ein Jahr später kam die Sammlung Nationale Plastik der DDR hinzu. Doch eine Museumssammlung entwickelt sich immer weiter. Nach der friedlichen Revolution 1989 konnte der enge Rahmen der Kunst der DDR, in dem die Sammlung angelegt war, aufgegeben und um viele internationale Positionen erweitert werden. Seit 2002 wird die Kunst der Gegenwart in ihrer ganzen medialen Breite gesammelt.