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Ehrenbürger der Stadt: Dr. Johann Haase
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Dr. med. Johann Christian Matthias Haase

geb. 4. Mai 1790 in Eichenbarleben, gest. 30. August 1828 in Magdeburg,

Garnisonsstabsarzt

H. wurde in der Magdeburger Börde als Sohn des Kossaten, Leinewebers und Schlächters Andreas Sigmund H. und der Anna Margarethe H. geb. Butz geboren. Er besuchte die 1795 in Berlin gegründete Pepiniére, eine militär-medizinische Ausbildungsstätte, die später der Berliner Universität angegliedert wurde. Als die Franzosen ab Ende 1808 Spanien besetzten, war auch H. dabei.
Er hatte sich der Westphälischen Armee anschließen müssen, da seine Heimat zu dem 1807 von Napoleon (1769-1821) geschaffenen Königreich Westphalen gehörte. Drei Jahre blieb H. in dem von Frankreich abhängigen Spanien. Nur ein Bruchteil der Westphälischen Armee kehrte zurück, darunter H. Jérome (1784-1860), König von Westphalen, ernannte ihn nun zum Aide-Major seiner Garden, zum Inspekteur des Gesundheitsdienstes der Armee sowie zum Major im 7. Westphälischen Infanterieregiment. Als Angehöriger der Westphälischen Armee beteiligte sich H. auch 1812 am verlustreichen Russlandfeldzug. Er überlebte ihn und die russische Kriegsgefangenschaft.
Nach seiner Rückkehr stellte er nach eigener Aussage seine Dienste dem Grafen Bogislaw von Tauentzien (1760-1824), der vor Magdeburg stand und dort unter großem Jubel am 24. Mai 1814 mit preußischen und den verbündeten russischen Truppen einzog, zur Verfügung. H. wurde Oberarzt des Militärhospitals in Magdeburg.
1815 beteiligte er sich als Regimentschirurg am Feldzug gegen Napoleon und verließ dazu mit dem 3. Elb-Landwehr-Infanterie-Regiment die Stadt. Nach Beendigung des Krieges kehrte er nach Magdeburg zurück, wo er als Garnisonsstabs- und Regimentsarzt zum Festungspersonal gehörte.
Als er 1823 ein Grundstück in der Prälatenstraße käuflich erwerben wollte, nahm die Stadt dies zum Anlass, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen. Er habe seine ärztlichen Fähigkeiten vielen unbemittelten Einwohnern zugutekommen lassen. Besonders aber fühlte sich die Stadt ihm verpflichtet, weil er bereits große persönliche Opfer für die Anlage einer Badeanstalt auf dem Fürstenwall erbracht hatte und noch leisten wollte. Die Badeanstalt wurde am 4. Mai 1824 eröffnet. Sie konnte im Sommer täglich von 5 bis 19 Uhr kostenpflichtig genutzt werden und bot neben einfachen Bädern auch Malzbäder, aromatische Seifenbäder, Schwefelbäder, Bäder mit Stahlkugeln usw. an. H. beabsichtigte noch bauliche Ergänzungen, wie ein Dampfbad für Frauen sowie die Anlage einer Flussbadeanstalt. Diesen Zielen opferte er viel Kraft und sein ganzes Vermögen.
1825 ließ er in der Firma von Samuel Aston (1792-1848) eine Dampfmaschine für die Badanstalt auf dem Fürstenwall bauen. Doch immer wieder hatte H. mit Hindernissen, wie Geldsorgen, Neid der Kollegen, Verleumdungen, bautechnischen Unzulänglichkeiten, zu kämpfen. Er blieb hartnäckig und legte im Mai 1828 bei der Festungsbehörde den Plan zur Errichtung einer Flussbadeanstalt bei der Bastion Cleve vor. Er wollte sie mit 50 Bädern ausstatten und damit Krankheiten verhindern resp. heilen. Er hielt seine Anstalt auch angesichts der Zahl der jährlich in der Elbe ertrinkenden Menschen für erforderlich. Einen Beamten in Berlin bat er um Fürsprache bei König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840). Gleichzeitig fanden vor dem Land- und Stadtgericht Verhandlungen zu einer Hypothekenangelegenheit der Badeanstalt auf dem Fürstenwall statt. H. muss in eine so verzweifelte Lage geraten sein, dass er nur den Freitod als Ausweg sah. Mit einem Pistolenschuss setzte er seinem Leben ein Ende. Er wurde auf dem Militärkirchhof begraben. 1830 übernahm der Chirurg Christian Lossier das inzwischen baufällige Bad.

Ehrenbürger der Stadt Magdeburg, bearb. vom Stadtarchiv Magdeburg, Magdeburg 1994; Stadtarchiv Magdeburg, Rep. A II B 43; Archiv und Bibliothek der Kirchenprovinz Sachsen, Rep. K, Garnisonskirchenbuch Magdeburg 1822-1838 (Duplikat), Film 00115 (hierin offensichtlich unrichtig errechnete Altersangabe: 39 Jahre und 9 Monate); Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt, Taufregister Eichenbarleben St. Nicolai 1790

Maren Ballerstedt

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