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Hiroshima - Friedenserklärung
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Stadt Hiroshima

FRIEDENSERKLÄRUNG

6. August 2004


„75 Jahre lang wird nichts wachsen.“ Seit dem 6. August, an dem Hiroshima so gründlich ausgelöscht wurde, dass viele diesem Schicksal zum Opfer fielen, sind neunundfünfzig Jahre vergangen. Dutzende von Leichen, die noch die Spuren des an diesem Tag erlittenen Todeskampfes tragen, geliebte Menschen, die plötzlich ihren Liebsten entrissen und ihrer Zukunft entraubt wurden, sind
erst unlängst auf der Insel Ninoshima aufgetaucht und warnen uns vor der Unmenschlichkeit eines Atombombenangriffs und dem 
grausamen Horror des Krieges.

Leider mangelt es der Menschheit immer noch sowohl an einem Lexikon, das in der Lage wäre, diese Katastrophe umfassend zu beschreiben, sowie an der nötigen Vorstellungskraft, um diese Lücke zu füllen. So leben die meisten von uns träge in den Tag hinein, lassen den Blick auf die Zukunft durch eine gewisse Maßlosigkeit vernebeln und wenden den wenigen Mutigen unbekümmert den Rücken zu.

In der Konsequenz führt das egozentrische Weltbild der US-Regierung zu Extremen. Die Vereinten Nationen und das ihnen zugrunde liegende Völkerrecht ignorierend, haben die USA ihre Forschungstätigkeit wieder aufgenommen und arbeiten nunmehr an der Entwicklung kleinerer Kernwaffen, die „handlicher“ sind. In anderen Teilen der Erde kommt die Kette von Gewalt und Vergeltung zu keinem Ende: die Nutzung des Mittels des Gewalt verstärkenden Terrors sowie zum Beispiel Nordkorea, das sich in die wertlose Politik der „atomaren Absicherung“ einkauft, sind die am meisten ins Auge stechenden Erscheinungen unserer heutigen Zeit.

Wir müssen diese Krise der Menschheit im Kontext ihrer Geschichte erkennen und angehen. In dem Jahr vor dem 60. Jahrestag, das einen neuen Rhythmus in die die Menschheit und die Natur verbindende Struktur einleitet, müssen wir zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren, zur erstmaligen Erfahrung mit der Atombombe. Im kommenden Jahr müssen wir den Samen neuer Hoffnung säen und eine starke zukunftsorientierte Bewegung ins Leben rufen.

Zu diesem Zweck erklären die Stadt Hiroshima gemeinsam mit der Organisation „Bürgermeister für den Frieden“ und unseren 611 Mitgliedsstädten in 109 Ländern und Regionen das mit dem heutigen Tage beginnende und am 9. August 2005 endende Jahr zum Jahr der Erinnerung und Aktion für eine atomfreie Welt. Unser Ziel ist das Gedeihen einer wunderschönen „Blume“ zum 75. Jahrestag des Atombombenabwurfs, nämlich die totale Beseitigung aller Atomwaffen von der Erde bis zum Jahr 2020. Erst dann wird die Hoffnung auf Leben auf diesem Planeten, auf dem „nichts wachsen wird“, wieder neu aufleben können.

Die Samenkörner, die wir heute säen, werden im Mai 2005 sprießen. Auf der Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag, die in New York stattfinden soll, wird die Notkampagne für das Verbot von Nuklearwaffen Städte, Bürger und Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt zusammenbringen, um mit gleich gesinnten Nationen für die Annahme eines Aktionsprogramms einzutreten, dessen vorläufiges Ziel die Unterzeichnung einer Atomwaffenkonvention im Jahre 2010 ist, welche die Rahmenbedingungen für die Beseitigung aller Nuklearwaffen bis zum Jahre 2020 schafft.

In der ganzen Welt erfährt diese Notkampagne große Unterstützung. Im vergangenen Februar verabschiedete das Europäische Parlament mit überwältigender Mehrheit eine Resolution, in der sie die Kampagne der Bürgermeister für den Frieden ausdrücklich unterstützte. Auf ihrer Generalversammlung im Juni hat die US-Konferenz der Bürgermeister, die 1183 US-Städte vertritt, unter großem Beifall eine noch weitergehende Resolution verabschiedet.

Wir gehen davon aus, dass sich die Amerikaner, ein Volk mit Gewissen, ihren Bürgermeistern anschließen und die Hauptkraft bei der Unterstützung der Notkampagne bilden werden, um ihrer Liebe für die Menschheit und ihrem Wunsch, als einzige Supermacht ihrer Pflicht zur Ausrottung der Atomwaffen nachzukommen, Ausdruck zu verleihen.

Wir setzen alles daran, den Ruf der Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe) um die Welt zu senden und den Hiroshima-Nagasaki Peace Study Course (Friedensforschung und Friedenserziehung) zu fördern, um sicherzustellen, dass insbesondere die zukünftigen Generationen die Unmenschlichkeit der Atomwaffen und die Brutalität des Krieges verstehen werden. Im kommenden Jahr werden wir ferner ein Projekt starten, bei dem Erwachsene überall in der Welt Kindern Berichte von Zeitzeugen über die Atombombenabwürfe vorlesen werden.

Die japanische Regierung sollte sich als unsere Vertretung für die Friedensverfassung einsetzen, worauf alle Japaner stolz sein sollten, und alles daran setzen, jenem Trend entgegenzuwirken, der offen Kriege und Atomwaffen akzeptiert und heute im wachsenden Maße im In- und Ausland zu finden ist. Wir fordern unsere Regierung auf, ihrer Verpflichtung als einzige Nation, die Atombombenabwürfen ausgesetzt war, nachzukommen, indem sie bei der Abschaffung der Kernwaffen und Schaffung eines antinuklearen Bündnisses (Tsunami) weltweit die Führung übernimmt und die von der Organisation „Bürgermeister für den Frieden“ geführte Notkampagne umfassend und leidenschaftlich unterstützt. Zudem fordern wir eine großzügigere Unterstützung unserer alternden Hibakusha einschließlich der im Ausland und in Regionen lebenden Personen, die dem „schwarzen Regen“ ausgesetzt waren.

Indem wir die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki wieder aufleben lassen, versprechen wir, in dem vor uns liegenden Jahr alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit der 60. Jahrestag der Atombombenangriffe von einer aufkeimenden Hoffnung auf eine völlige Abschaffung der Kernwaffen begleitet wird. In aller Bescheidenheit geben wir dieses Versprechen in Würdigung aller Opfer der Atombomben ab. Mögen sie in Frieden ruhen.

 

Tadatoshi Akiba

Bürgermeister
Die Stadt Hiroshima

 


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